Wüste

1. Fastensonntag (Mk 1, 12-15)

Aschenkreuz to go (c) Bild: Michael Rösch In: Pfarrbriefservice.de
Datum:
So. 21. Feb. 2021

In jener Zeit trieb der Geist Jesus in die Wüste. Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm.
Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium! (Mk 1, 12-15)

Das Evangelium am ersten Fastensonntag erzählt von der Versuchung Jesu in der Wüste. Der Evangelist Markus berichtet darüber nur kurz und knapp. Jesus wurde vom Geist in die Wüste geführt oder „getrieben“, heißt es gleich zu Anfang.

In der Wüste gibt es nichts. Das auszuhalten ist schwer. Lebensfeindlich ist die Wüste, ja lebensbedrohlich. Überall nur Sand oder Steppe, kein Baum, kein Strauch, weder Nahrung noch Wasser, und mittendrin Jesus. Was macht er denn da? Antwort: Nichts. Er hält aus und tut nichts. Er isst auch nichts. Er ist einfach nur da, hört auf sich selbst und öffnet sich so innerlich seinem Vater im Himmel.

In die Wüste gehen heißt, ganz auf sich gestellt zu sein. Nichts zu haben, an dem man sich festhalten könnte, aber auch nichts zu haben, was ablenkt von den eigenen Bedürfnissen oder Ängsten. Und genau das ist das Unheimliche. Nichts zu haben, was ablenkt. Schutzlos ausgeliefert sein. Ausgeliefert, ja wem denn? Mir selbst!

In der Wüste begegnet Jesus dem Versucher. Viel steht hier, in dieser Szene, auf dem Spiel. Und das gleich zu Beginn seiner Sendung. Doch er widersteht. Er bleibt sich treu. Und das kann auch für mich wichtig sein. Jesus verschließt seine Augen nicht vor dem Bösen, vor dem Versucher. Er ist mit ihm in Beziehung, im Gespräch. Und nur so kann er es – ihn – überwinden. Auch ich darf vor dem Bösen in mir nicht weglaufen.

Sich einmal nur mit sich selbst zu beschäftigen, kann ganz schön schwierig sein. Vielleicht kennen Sie diese Erfahrung: Wenn es einmal äußerlich ganz still ist, dann werden die inneren Stimmen umso lauter. Was schwirrt dann nicht alles in unserem Kopf herum? Alles das, was wir normalerweise in unserem Alltag durch Lärm, Beschäftigungen und Ablenkungen überdecken, steigt aus unserem Inneren auf: Gedanken, verschiedenste Gefühle, Erinnerungen, Konflikte, Phantasien, Pläne, …

Ich möchte Sie ermutigen, sich in der Fastenzeit immer wieder einmal Zeit zu nehmen, um in sich selbst hineinzuhören und aufmerksam zu sein auf die inneren Stimmen in Ihnen. Da kann sich manches klären und ordnen. Und auch die leise Stimme Gottes kann deutlicher hörbar werden. Es ist ein spannender Weg!

Sr. Martina